Der Tod und die Liebe
Außergewöhnliche Lieder, außergewöhnliche Interpreten in der Kirche

Von Michael Auerbach
Niedermöllrich.
Die Liebe, die Liebe und noch einmal die Liebe. 19-mal. Ein ungewöhnliches Konzert fand am Donnerstagabend in der evangelischen Kirche von Niedermöllrich statt.
Die fünf Musiker aus Dresden nennen sich "Das Blaue Einhorn". Sie sangen 19 Lieder über die Liebe in verschiedenen Kulturen. Sie handelten von Schönheit, Verführung, Sehnsucht, Tod und Verehrung.
Der Einstieg war überraschend. Während das Publikum erwartungsvoll nach vorne schaute, erklangen die ersten Töne aus dem hinteren Kirchenbereich. Immer wieder bezogen die Akteure den Altarraum, die Empore und die seitlichen Bereiche des Gotteshauses effektvoll in die Aufführung ein. Damit war Spannung garantiert.
Trotz der räumlichen Trennung der einzelnen Interpreten funktionierten die Einsätze präzise. Das Zusammenspiel war eine harmonische Einheit. Bei der Interpretation von Musik aus fremden Ländern bediente sich die Gruppe unter anderem der arabischen Laute, des Hackbretts und des Chalumeaus, einem kleinen Holzblasinstrument, mit denen die Lieder begleitet wurden.
Gerade noch ein schmachtendes Vilkslied aus Lissabon mit zwei Gitarren, dann eine russische Klageweise, a cappella gesungen. Etwas später in einer ausdrucksstarken Melodie aus Bolivien ein ganz anderer Rhythmus mit Flöten, Gitarren und Kontrabass.
... Schlusslied Canto Libre aus Chile. Vierstimmiger an- und abschwellender Gesang, in dem die Gruppe noch einmal vorführte, wie musikalische Elemente auch ohne Elektronik variabel zu nutzen sind.
Eine fast andächtige Atmosphäre entstand während des Konzertes und zog die Zuhörer in ihren Bann. Das zeigte Wirkung: Meist kam der Applaus verzögert. Viele hatten die Augen geschlossen und ließen sich davon tragen. Hervorzuheben ist Karolina Petrova, die mit ihrer mal zärtlich-leisen, mal energievollen Stimme und der strahlenden Freude im Gesicht es verstand, das Publikum zu fesseln. Erfreulich war auch, dass auf einem Blatt die Lieder erklärt wurden, weil in verschiedenen Sprachen gesungen wurde.
Ein faszinierendes Musikerlebnis, das die Herzen der Zuhörer anrührte. Dem stehenden Applaus folgten zwei Zugaben.

HNA, Ausgabe Fritzlar-Homburger vom 30.10.2004





zurück