"Ojfn Weg - 15 Jahre Das Blaue Einhorn"

Neujahrskonzert 2007 in Dresden

"Bleibt alles anders"

Das Blaue Einhorn zeigt seine Tugenden aus 15 Jahren Konzerterfahrung

Für einen fünfzehnten Geburtstag gibt es kein spezielles Liedgut. Natürlich wäre es möglich, das deutsche "Schier dreißig Jahre bist du alt" bis zur Hälfte zu singen. Aber im Zusammenhang mit dem Blauen Einhorn verbieten sich halbe Sachen, denn auch die vier Musiker enthalten sich derartiger Unvollkommenheiten. Eine Art "Best of" mit neu arrangierten und bearbeiteten Beispielen aus früheren Programmen fand am Neujahrsabend in der Heilig-Geist-Kirche statt und zog so viele Besucher an, dass die zuletzt gekommenen nur noch Stehplätze fanden. Deren Inhaber brauchten dann am Ende des Konzerts nicht erst aufzustehen, als es viele der sechshundert Fans nicht mehr auf ihren Sitzen hielt.

Viele Assoziationen riefen die zwei Stunden Programm hervor, ohne dass aber Ähnlichkeiten auf bewusste Imitation schließen lassen; denn die Anklänge waren nur vage, kurzzeitig, zufällig und zudem sicher nur individuell. Aber wer Ähnliches kannte, konnte an Woodstock, Sing Out, Tanz- und Folkfestivals, sogar an Singbewegung und manchmal an den Hot Club de France erinnert werden. Letzteres ist auf den Geiger Florian Mayer zurückzuführen, der seit etwa einem halben Jahr zum Einhorn gehört und eine echte Bereicherung darstellt. Durch ihn werden der jazzige Charakter vieler Passagen intensiviert und kurze Improvisationen substanzreicher. Dietrich Zöllners Bauchgeige kann nun auf wenige Einsatzfälle beschränkt bleiben.

Das Jubiläumsprogramm ließ noch einmal die Tugenden der Gruppe deutlich werden. An erster Stelle steht ein herzhaftes Musikantentum, bei dem aber die reine Form keine Ausschließlichkeit besitzt. Unverändert nimmt sich das Einhorn des Liedguts von Unterprivilegierten an: Roma, Sinti, Juden, sozial Schwache, Widerständler sind die bevorzugten Quellen, aus denen die vier Musiker schöpfen. Paul Hoorn lässt als Leadsänger und Moderator keinen Zweifel, wo die Sympathien des Einhorns liegen. Und so lange diese Menschen der aktiven Solidarität bedürfen, sieht sich das Einhorn nicht am Ziel, wohl aber mit aller Aktivität auf dem Weg. Man weiß, was man will, wofür man singt und spielt, ist aber frei von dem bei Deutschen oft genug peinlich wirkenden Missionierungsdrang. Hoorns oft pessimistischer Ton rutscht nicht in Sentimentalität ab. Überhaupt ist das Quartett auch bei traurigen Inhalten erfrischend unsentimental, musiziert mit mitreißendem Drive und ausgezeichneten Vokalsätzen. Die instrumentale Vielfalt beeindruckt; stets ist der Instrumentalklang durch Dietrich Zöllners Kontrabass in der Tiefe gut fundiert. Hin und wieder wird der Klang etwas dick, aber Texte bleiben trotzdem verständlich.

Es ist nicht schwierig, Freude an den Liedern und an der auch zum Repertoire gehörenden Tanzmusik des Blauen Einhorns zu haben. Ebenso leicht ist es, die hohe Qualität der vier Musiker anzuerkennen, denn die ist für das Genre beispielhaft, nicht nur in Dresden. Wir dürfen gespannt darauf sein, wie es mit dem Einhorn weitergeht. Zunächst in den kommenden fünfzehn Jahren. Im Augenblick erst einmal herzliche Gratulation.

 

Peter Zacher, DNN 03.01.2007





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