"Wo find ich meine Seele - Lieder über Krieg und Frieden von Mikis Theodorakis"

Premiere 01.01.2009
Dresden, Heilig-Geist-Kirche

"Lieder von einer Freiheit, die wärmen kann "

"Das blaue Einhorn" mit der Premiere seines Theodorakis-Programms

Sie passen so gut zueinander, dass man glauben könnte, sie wären füreinander geschaffen, die Dresdner Gruppe "Das blaue Einhorn" mit ihrer rauen und eindringlichen Musizierweise und die Lieder von Mikis Theodorakis, der sich in seiner Kompositionsweise nie dem jeweiligen Mainstream angepasst hat. Schon in Programmen der Vergangenheit haben sich die Einhörner mit den Liedern des bekanntesten griechischen Komponisten befasst und sich mit ihrer Engagiertheit in der Konzentration auf Inhalte in der Haltung, die in den Werken Theodorakis' zum Ausdruck kommt, wiedergefunden. Eine perfekte Passform auf beiden Seiten, formal wie inhaltlich. Am Neujahrstag hatte "Wo find ich meine Seele" als erstes Einhorn-Programm, das einem einzigen Komponisten gewidmet ist, seine Premiere in der Heilig-Geist-Kirche. Der Publikumszuspruch war derart groß, dass einigen Interessenten kein Einlass mehr gewährt werden konnte. Das Einhorn hat wegen seiner Unverwechselbarkeit in Dresden inzwischen so etwa wie Kultstatus, ist aber auch in anderen deutschen Städten bekannt und erfolgreich.

Das neue Programm ist höchst ambitioniert: die Arbeit, die die Vorbereitung gemacht hat, muss diesmal noch umfangreicher als bei anderen Projekten der Gruppe gewesen sein. Paul Hoorn, Frontmann und Triebkraft des Ensembles, hat sämtliche Lieder aus dem Neugriechischen nachgedichtet und den größten Teil der musikalischen Arrangements beigesteuert. Seine Texte, eine gute Kombination von Nüchternheit und kreativer Fantasie, sind dem Geist der Originale sehr nahe und haben trotzdem einen natürlichen und ungezwungenen Sprachfluss. Manche Formulierungen und Metaphern gleichen Ankern, die sich im Hirn der Hörer festhaken und zu weiterem Nachdenken anregen. Man glaubt Hoorn gern, dass er von der kompositorischen Leistung Theodorakis' ebenso beeindruckt ist wie von der politischen Haltung, die der Grieche über Jahrzehnte bewiesen hat. "Das war irgendwie zwingend." In Dresden hatten Hoorn und seine Mitstreiter gute Gelegenheiten, mit dem Werk Theodorakis' bekannt zu werden, denn hier hat es seit den frühen 1980er Jahren zahlreiche Aufführungen seiner Werke gegeben. Dazu gehört auch die Liturgie, die der Kreuzchor uraufgeführt hat. In der Erstfassung trägt der Zyklus mit Texten von Tasos Livadhitis den Titel "Ta lirika". Im Einhorn-Programm bildet er den Hauptteil. Dazu kommen der Zyklus "Mauthausen" und Lieder aus dem Volksoratorium "Axion esti", alle weit bekannter als die Lieder des ersten Teils.

Die Aufführung war ein Beweis dafür, dass man sich als praktizierender Musiker und als Zuhörer auf die Tragfähigkeit der Lieder unbedingt verlassen kann. Wenn dann die Ausführung dank der weiteren Mitwirkenden (Florian Mayer, Andreas und Dietrich Zöllner und als Gast Karolina Petrowa mit schmal geführtem, herbem und klarem Sopran) und deren beeindruckender instrumentaler wie stilistischer Vielfalt die von der Gruppe gewohnte Qualität haben, ist das der beste Weg, um die Botschaften der Lieder zum Hörer zu transportieren. Und auf diese Botschaften kommt es schließlich an, dem Komponisten und seinen Interpreten. Wie gesagt, sie scheinen füreinander geschaffen, gerade auch deshalb, weil Hoorn und die anderen Mitglieder der Gruppe als deutsches Gegenstück der Volkssänger begriffen werden können, die für die Lieder Theodorakis' so extrem wichtig sind.


Peter Zacher, DNN 03.01.2009





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