"ÜBERsetzen - Lieder auf schwankendem Boden"

Premiere 02./03. Mai.2009
Dresden, Alter Schlachthof

"Übersetzt und übergesetzt "

"Das Blaue Einhorn" stellte sein neues Programm vor

Pessimisten meinen, dass Glück im Leben sei immer am anderen Ufer zu finden. Das Dresdner Quartett "Das Blaue Einhorn" vertritt diese Haltung nicht, macht sich aber die Freude zunutze, am anderen Ufer etwas Schönes zu finden. Dabei ist der Titel des neuen Programms, das am Wochenende im alten Schlachthof Premiere hatte, absichtsvoll doppeldeutig: "ÜBERsetzen - Gesänge auf schwankendem Boden". Übersetzen kann je nach Betonung eine Überfahrt auf die andere Seite oder den Sprachmittlungsakt bedeuten. Beides ist für die Einhörner typisch: Frontmann Paul Hoorn singt viele Lieder in eigenen deutschen Nachdichtungen oder erklärt zumindest den Inhalt, und den Hauptteil der Programme, auch des neuen, machen Lieder aus, die aus anderen Weltgegenden, also vom anderen Ufer stammen. Im schwankenden Boden, von dem der Titel kündet, steckt ein bisschen Koketterie, denn das musizierende Männerquartett bewegt sich schon seit langer Zeit auf allen Böden sicher. Jenseits der Koketterie liegt aber auch Wahrheit, denn jede öffentliche Darbietung schließt auch Risiken ein und die Übersetzung oder Nachdichtung von Liedtexten bedeutet auch eine Veränderung des musikalischen Grundmaterials Sprache.

Unverändert ist die Interpretation. Fast alles ist auf sympathische Art angeraut und hat nichts mit den faltenlos gebügelten Produkten der zu Unrecht volkstümlich genannten Musik zu tun. Das Einhorn hat bei Programmgestaltung und Wiedergabe seine eigene Ästhetik, Und die wirkt auch diesmal wieder, gleichgültig, ob es eine Arie von Purcell, ein Fado, ein rebetisches Lied oder ein großartig a cappella gesungenes Weihnachtslied kaukasischer Kosaken handelt. "ÜBERsetzen" ist so gut wie die früheren Einhorn-Programme. Nur eben neu und deshalb um so empfehlenswerter.


Peter Zacher, Sächsische Zeitung 05.05.2009





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